„Och, nein.“


In der Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie unterhält sich ein Kind mit einer Betreuerin. Dabei äußert das Kind, dass es nicht in die Schule gehen möchte.


Wer?
Betreuer*in: B, Kind: K1

Wo?
Tagesklinik der Kinder-& Jugendpsychiatrie

Situation:
K1 hat seit dem Morgen selbstständig im Spielerraum gespielt. Als er zu seiner Tafel geht, an dem sein wöchentlich gleicher Stunden- und Therapieplan dargestellt ist, gesellt sich die B zu ihm. Sie weist ihn darauf hin, dass sie beide gleich zusammen zur Schule laufen müssen, wie er es selbst schon an der Tafel gesehen habe und kündigt ihm an, dass sie ihre Jacke holen würde und er sich in der Zeit auch schonmal anziehen könne, damit sie gleich losgehen können.


K1: „Och nein.“

K1 stampft mit dem rechten Fuß auf den Boden und turnt den Gang entlang in Richtung der Garderobe. Er stoppt und beginnt sich mit den anderen Kindern im Gang zu unterhalten. B nimmt ihre Jacke und geht dann den Gang entlang zu K1, bleibt vor ihm stehen und schaut ihn an.

B: „K1, wir hatten das gerade besprochen, guck mal, ich bin schon fertig und du hast ja noch nicht mal deine Jacke an.“

K1: „Ich will aber nicht in die Schule.“

B: „K1 es sind jetzt noch 10 Minuten bis die erste Stunde anfängt. Zieh dich jetzt bitte an und hol deinen Ranzen.“

K1 schlägt mit den Händen um sich, protestiert unverständlich und geht sehr langsam auf Umwegen in die Garderobe. B bleibt im Gang stehen und beobachtet K1‘s Verhalten. K1 schlägt mit den Händen gegen seinen Spind, tritt seine Schuhe zur Seite. Er schmeißt seine Jacke auf den Boden und ruft dabei laut, dass er nicht möchte.

B beobachtet die Situation und spricht K1 dann ruhig an: „K1, ich setze mich jetzt schonmal zur Tür und warte auf dich. Du weißt, wenn wir zu spät kommen, dann musst du heute Nachmittag noch mehr Hausaufgaben machen.“

K1 zieht sich an, redet unverständlich vor sich hin und geht dann zu B zur Tür.

B: „Weißt du, ich finde das nicht schön, wenn es so läuft wie heute. Gestern hat das so schön geklappt, ich wünsche mir, dass wir das heute ganz schnell vergessen und dass das morgen wieder so klappt wie gestern.“

K1: „Aber mein Haargel, schauen sie mal.“

B: „Ich spreche auch viel lieber mit dir über dein Haargel als über Dinge, die nicht gut gelaufen sind. Aber diese Dinge müssen auch besprochen werden und wenn wir sie besprochen haben, dann kann man solche Sachen wie dein tolles Haargel besprechen.“


Autorschaft
anonym (Falleinreichung durch Zentrum für Lehrer*innenbildung, MLU) |
Erhebungskontext
Erhebungsmethode
Notizen

21A_0006