Beobachtung einer Beschäftigungsstunde in der 2. Klasse


An einem Grundschulzentrum mit einem Förderschwerpunkt auf Erziehungshilfe, spielen die Lehrerin und eine pädagogische Mitarbeiterin mit den Schüler*innen einige Spiele.


Beobachtung:

– Zu Beginn der Beschäftigungsstunde machen die Kinder einen Stuhltanz.

  • 4 Stühle (bei 5 Kindern) werden in die Mitte gestellt.
  • Musik ertönt, die Kinder bewegen sich zu der Musik um die Stühle herum.
  • Wenn die Musik stoppt, sucht sich jedes Kind einen Stuhl und setzt sich.
  • Das Kind, welches keinen Stuhl mehr findet, scheidet aus.

– In der ersten Runde des Spiels bleiben zum Schluss Marc und Willy übrig; die um den letzten Stuhl kämpfen. Beim Stoppen der Musik gelingt es Willy den Stuhl zu ergattern, Marc verliert.

– Eine zweite Runde wird gespielt. Wieder bleiben Willy und Marc am Ende übrig. Frau John kommentiert dazu „Dann werde ich die Musikjetzt so ausmachen, dass Marc übrig bleibt“. Ich bin gespannt, wie die Lehrerin es nun anstellen würde, dass sie die Musik genau dann anhält, dass Marc gewinnt, denn alles andere wäre aufgrund der Äußerungen sehr ungerecht.

– Die Lehrerin stoppt die Musik, Willy ergattert sich erneut den Sitzplatz und Marc verliert tatsächlich. Die Lehrerin kommentiert das noch mit einem „Oooh, hat der Marc verloren.“ Er reagiert daraufhin sehr wütend, stampft auf den Boden, rennt in die Zimmerecke und weint. Die Lehrerin meint daraufhin, dass „da wohl einer nicht verlieren kann“.

– Als sich Marc zu den anderen Kindern in den Sitzkreis setzt, sagt die Lehrerin nichts (wie z.B. „Schön, dass du wieder mitmachst“). Die Kinder spielen weiter. Es zeichnet sich langsam ab, wer die meisten Paare findet und wer kein Glück hat. In nahezu jeder Runde macht die Lehrerin zu den Kindern, die keine Paare gefunden haben, Kommentare wie „Wenn du verlierst, musst du dann dickschen wie der Marc.“ Oder „Da kannst du dich dann auch in die Ecke stellen und heulen“. Die Kinder äffen diese Bemerkungen nach („Jetzt musst du dickschen.“). Die PM wirft dann ein: „Jetzt ist aber auch mal wieder gut.“

– Marc hört sich diese Kommentare an und guckt traurig. Er verliert dieses Spiel allerdings nicht.


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Student*in Anonym |
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